Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

2. Korinther 12, 9

Keiner von uns will schwach sein. Wir lieben es nicht, wenn unsere Schwächen zutage treten. Wir tun alles dafür, dass wir sie „unter der Decke“ halten - „the show must go on“. (Hauptsache wir stehen gut da auf der Bühne des Lebens.) Was „backstage” (hinter der Bühne) los ist, geht niemanden was an.
So schlagen wir uns durchs Leben und geben vor, was gar nicht ist. Wir scheuen uns, Schwachheit, Defizite, Einschränkungen zuzugeben.

Warum ist Paulus ganz anders?
Er schreibt sogar mehrmals: „Ich rühme mich meiner Schwachheit!“ Ich stelle sie heraus! Ich präsentiere sie auf der Bühne des Lebens.
Warum ist Paulus so anders, als der damalige Zeitgeist in der Antike es vorgab: Das Schöne, das Sportliche, der Glanz und die Macht waren anbetungswürdige Größen. Krankheit, Behinderung, Verletzung waren nicht gefragt. Damit konnte man nicht glänzen.
Paulus hat am eigenen Leib erfahren, dass es eine Macht gibt, die alles andere verändert und übersteigt: es ist die Macht der Gnade Gottes. Sie hatte ihn „heruntergeholt“ von alles wissender und überheblicher Gesetzesfrömmigkeit! Die Gnade hatte ihn hineingeholt in die alles übertreffende Liebe Gottes, die aus einem Jesusfeind einen Jesuszeugen gemacht hat.
Er wusste, dass er vor seiner Umkehr ganz schwach war vor Gott. Die Gnade aber hat ihn eingeholt und heimgeholt!

Wie lange wollen wir uns so stark präsentieren?
Das Leben von Paulus gibt die Antwort: Solange wir nicht umkehren zu Jesus, müssen wir unsere Stärke vor uns hertragen, müssen wir die Macht und den Einfluss suchen und lieben. Wenn wir aber dem liebenden Lockruf der Gnade Gottes folgen und umkehren in die offenen Arme Jesu, verändert sich alles. Dann brauchen wir nicht weiter die Machtspiele, wie sie auf allen Lebensgebieten gespielt werden, mitmachen. Dann steigen wir aus, aus dem Karussell der Starken, das sich nur um sich selber dreht. Dann steigen wir ein in den Zug der Gnade. Den „Gospeltrain“ (Zug der frohen Botschaft) haben die Afroamerikaner in ihren Liedern besungen und mit „kleiner Kraft“ - aber nachhaltig - zur Lebensumkehr eingeladen.

Was sagt die Jahreslosung für unsere Gemeinden heute?
Paulus wusste durch die Zusage seines Herrn „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“, dass hinter seiner Arbeit der „ewig starke Gott“ steht. Dadurch wurde die Gemeinde unüberwindbar in seiner Zeit. Nicht durch Konzepte und Konzeptionen allein. Nicht durch Beschlüsse der Gremien. Nicht durch die Fantasie der Kreativen. Nicht durch das Geld und unsere Ressourcen, nicht durch unsere planerische Klugheit und Einsicht.
Stark ist die Gemeinde allein durch die Gnade Gottes, durch die Macht, die er ausübt, durch unsere Furcht vor seiner Heiligkeit und Stärke.
Zu dieser Einsicht kommen aber allein die, die umgekehrt sind. Und sie wissen, dass auch ihre Umkehr zu Jesus keine menschliche Leistung war, sondern pure Gnade Gottes.

So macht uns, die wir alle unsere Schwächen mit uns herumtragen, die neue Jahreslosung mutig und hoffnungsfroh. Wir müssen weder für unseren Glauben, noch für unseren Standpunkt, noch für unsere Lebensqualität garantieren. Jesus, der die Schwachen „hochhebt“, tut das für uns.
Und wir können in „schwacher Zeit“, die bei uns in vielen Gemeinden sichtbar ist, festhalten, dass der lebendige und auferstandene Jesus Christus „König und Herr“ bleibt.
Ich will immer zuerst mit seiner Macht rechnen – und seiner Gnade allein vertrauen.

Hermann Traub

Meditation zur Jahreslosung 2012

meine Kraft
nimmt ab
im Streit der Welt
wird aufgesogen
vom Zeitgeist
sage ich

meine Kraft
verfliegt
im Gang der Jahre
wird aufgerieben
im Widerstand
sage ich

meine Kraft
zerfällt
im Wettlauf der Zeit
ist aufgebraucht
im Nu
sage ich

meine Kraft
besteht
in Ewigkeit
wer mir gehört
kann mit mir siegen
sagt Jesus

Hermann Traub

Jahreslosung 2012
Januar 2012
>> www.hoffenundhandeln.de