Zitate von Bonhoeffer zum 120. Geburtstag am 4. Februar 2026
Über das Bibellesen:
Ich glaube, dass die Bibel allein die Antwort auf alle unsere Fragen ist und dass wir nur anhaltend und etwas demütig zu fragen brauchen, um die Antwort von ihr zu bekommen. Die Bibel kann man nicht einfach lesen wie andere Bücher. Man muss bereit sein, sie wirklich zu fragen. Nur so erschließt sie sich. Nur wenn wir die letzte Antwort von ihr erwarten, gibt sie sie uns. Das liegt eben daran, dass in der Bibel Gott zu uns redet. Und über Gott kann man eben nicht so einfach von sich aus nachdenken, sondern man muss ihn fragen. Nur wenn wir ihn suchen, antwortet er. Natürlich kann man die Bibel auch lesen wie jedes andere Buch, also unter dem Gesichtspunkt der Textkritik etc. Dagegen ist gar nichts zu sagen. Nur dass das nicht der Gebrauch ist, der das Wesen der Bibel erschließt, sondern nur ihre Oberfläche. … Nur wenn wir es einmal wagen, uns so auf die Bibel einzulassen, als redete hier wirklich der Gott zu uns, der uns liebt und uns mit unseren Fragen nicht allein lassen will, werden wir an der Bibel froh …
… Seit ich gelernt habe, die Bibel so zu lesen – und das ist noch gar nicht so lange her –, wird sie mir täglich wunderbarer. Ich lese morgens und abends darin, oft auch noch über Tag, und jeden Tag nehme ich mir einen Text, den ich für die ganze Woche habe, vor und versuche mich ganz in ihn zu versenken, um ihn wirklich zu hören. Ich weiß, dass ich ohne das nicht mehr richtig leben könnte.
Zum Kreuzestod:
Jesus Christus starb für uns am Kreuz, vom Zorn Gottes geschlagen. Gott selbst hatte ihn dazu gesandt. … Wunderbares Geheimnis – Gott hatte Frieden gemacht mit uns durch Jesus Christus. Unter dem Kreuz ist Frieden. Hier ist Ergebung in Gottes Willen, hier ist Ende unseres eigenen Willens, hier ist Ruhe und Stille in Gott, hier ist Friede des Gewissens in der Vergebung aller unserer Sünden. Hier unter dem Kreuz ist der „Zugang zu der Gnade, in der wir stehen“ (Römer 5,2), ist der tägliche Zugang zum Frieden mit Gott. Hier ist der einzige Weg, den es auf der Welt gibt, um Frieden mit Gott zu finden. In Jesus Christus allein ist Gottes Zorn gestillt, sind wir überwunden in den Willen Gottes hinein. Darum ist das Kreuz Jesu Christi für seine Gemeinde ewiger Grund der Freude und Hoffnung der kommenden Herrlichkeit Gottes.
Über die Auferstehung:
Die Forschung kann die Auferstehung Jesu weder beweisen noch entkräften; denn sie ist ein Wunder Gottes. Der Glaube aber, dem sich der Auferstandene als der Lebendige bezeugt, erkennt gerade in dem Zeugnis der Schrift die Geschichtlichkeit der Auferstehung als ein Handeln Gottes, das sich in seiner Wunderbarkeit der Wissenschaft nur als Rätsel darstellen kann.
Über Kirche und Juden:
Die Kirche muss Christus nicht nur den Heiden, sondern auch den Juden bekennen. Die Kirche muss es den Juden nicht nur möglich machen, zu ihr zu gehören, sondern das macht geradezu ihr Wesen aus.
Über seine Zeit am Theologischen Seminar in New York:
Eine Theologie gibt es hier nicht … Es wird das Blaue vom Himmel heruntergeschwatzt ohne die geringste sachliche Begründung und ohne dass irgendwelche Kriterien sichtbar werden. Die Studenten … kennen nicht die einfachsten Fragestellungen. Man berauscht (sich) an liberalen und humanistischen Redensarten, belächelt die Fundamentalisten und ist ihnen im Grund nicht einmal gewachsen … Man kann in New York fast über alles predigen hören, nur über eines nicht, oder doch so selten, dass es mir jedenfalls nicht gelungen ist, es zu hören, nämlich über das Evangelium Jesu Christi, vom Kreuz, von Sünde und Vergebung, von Tod und Leben.
Über Abtreibung:
Die Tötung der Frucht im Mutterleib ist Verletzung des dem werdenden Leben von Gott verliehenen Lebensrechtes. Die Erörterung der Frage, ob es sich hier schon um einen Menschen handele oder nicht, verwirrt nur … Dass … die Schuld oft mehr auf die Gemeinschaft als auf den Einzelnen fällt …, vermag aber an dem Tatbestand des Mordes nichts zu ändern.
Zu einer Konfirmation 1938:
Abgötterei und Menschenfurcht stehen allenthalben gegen uns … Es ist ein Kampf mit Zittern und Zagen, denn der schwerste Feind steht ja nicht uns gegenüber, sondern in uns selbst … Ich glaube, lieber Herr, … hilf meinem Unglauben.
(Quelle: Ev. Nachrichtenagentur IDEA)

