Pfarrer Martin Kugele
Bretten

Monatsspruch für Juni 2026
Aufruf an die Christen:
„Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib.“
Hebräer-Brief, Kapitel 13, Vers 3
Vielleicht lohnt es sich, einen Moment innezuhalten und sich zu fragen: Wann habe ich zuletzt bewusst für jemanden gebetet? Oder wann habe ich etwas getan, das einen anderen Menschen neue Hoffnung gegeben hat? Solche Fragen können helfen, unseren Glauben praktischer zu machen – nicht aus Druck, sondern als Einladung. Der Monatsspruch aus Hebräer 13 spricht eine spezielle Form der Gefangenschaft an. In der Antike wurde die junge Kirche immer wieder verfolgt. Christen bezahlten ihre Treue zu Jesus mit Gefängnis, mit Folter oder gar Tod. Da war es wichtig, dass die Mitchristen, die gerade nicht betroffen waren, ihre verfolgten Glaubensgeschwister im Gefängnis besuchten, sie mit dem Nötigsten versorgten und die Getöteten bestatteten. Und wenn man nicht praktisch helfen konnte, wurde wenigstens im Gebet der Verfolgten gedacht.
Auch heute noch werden viele Christen weltweit diskriminiert, bedroht oder verhaftet. In der Fürbitte für sie vor Gott eintreten und sich vielleicht sogar bei den Verantwortlichen, bei Regierungen für sie einzusetzen, ist auch heute eine unverzichtbare Aufgabe der christlichen Gemeinde. Der Monatsspruch will unseren Blick weiten. Wir sollen nicht nur unsere eigenen Wünsche und Sorgen im Blickfeld haben, sondern für die verfolgten und bedrängten Christen regelmäßig beten. Aktuelle Berichte und Gebetsanliegen finden sich bei „Open Doors“ unter www.opendoors.de im Internet.
Wir sind eingeladen, offen zu werden für das, was Gott durch uns wirken möchte. Der Monatsspruch hat noch eine weitere Bedeutung. Nicht alle Gefangenschaften sind sichtbar. Viele Menschen sind innerlich gefesselt, etwa durch Sorgen, Erfahrungen aus der Vergangenheit, durch Schuld oder schwierige Verhältnisse und Situationen. Gott, unser Vater im Himmel, kennt diese Situationen und möchte, dass wir dafür beten und helfend zur Seite stehen. Schon kleine Schritte können ein erstes Zeichen sein. Jede freundliche Tat, jedes Gebet, jede aufmerksame Geste tut gut und hat Gewicht.
Der Monatsspruch ist also auch eine Einladung, achtsam zu leben und mitfühlend zu werden. Gebet, Barmherzigkeit und Zuwendung sollen unser menschliches Miteinander prägen, auch ganz im Stillen, nicht immer sichtbar nach außen, aber von ganzem Herzen, wirkungsvoll, zur Ehre Gottes. Der Juni bietet auch im Freien, an beschaulichen Plätzen der Erholung und Besinnung, viel Gelegenheit zu kleinen (und auch großen) Gebeten im Herzen und zur Begegnung mit Menschen, die sich über ein liebevolles Wort, ein offenes Ohr und eine Ermutigung freuen.
Pfarrer Martin Kugele
Bretten