Martin Kugele
Pfarrer im aktiven Ruhestand in Bretten

Monatsspruch für September 2026
Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe
und Haschen nach Wind.
Alttestamentliches Bibelbuch des Predigers Salomo, Kapitel 4, Vers 6
Eine Hand voll Ruhe. Zwei Fäuste voll Mühe und Haschen nach Wind. Starke Bilder. Der Satz stammt aus dem alttestamentlichen Buch, das„Prediger Salomo“ genannt wird. Salomo ist ein Sohn des Königs David. Der Tempel in Jerusalem ist sein Lebenswerk: kunstvoll, prunkvoll, jahrelanger Bau. Dazu Paläste, Städte, Befestigungen. Er hat sich jeden Wunsch erfüllt, auch ganz persönlich. Aber es befriedigte ihn nicht. Trotz Glanz und Gloria schreibt er, ausgerechnet er: „Als ich aber ansah alle meine Werke, die meine Hand getan hatte, und die Mühe, die ich gehabt hatte, siehe, da war es alles eitel und Haschen nach Wind und kein Gewinn unter der Sonne.“ (Prediger 2,11).
„Eine Hand voll Ruhe“ ist es, wonach er sich mehr sehnt als alles andere. Geht dies nicht vielen von uns heute auch so? Tägliche Herausforderungen, oft Stress und Frust. Nicht nur im Beruf. Das Wochenende wird zur Flucht. Es ist oft verplant zum Besuch von Festen und Feiern. Auch an den Feierabenden kehrt keine Ruhe ein. Der Fernseher dröhnt uns zu und macht uns müde. Oder regt uns auf. Fäuste werden geballt im Blick auf das politischen Geschehen und wirtschaftlichen Niedergang. Ohnmächtig stehen wir dem ideologischen Geisteskampf der Gegenwart gegenüber. Es fehlt die Kraft zum Auftreten dagegen, zum Widerstand.
Auch in unseren Familien wird der Ton heute rauer. In der Herausforderung und Hetze des Alltags will jeder und jede lauter sein, um (noch) gehört zu werden. „Beide Fäuste voll“, das klingt nach viel, was man erreichen will. Nach Kraftakt, nach kräftigem Zupacken, nach Erfolgsstreben. Doch geballte Fäuste können nichts festhalten. Sie können nur zuschlagen oder draufhauen. Da ist Starre, stures Festhalten, an dem was man sich geschaffen hat. Der Prediger Salomo hat dies erkannt: Geballte Fäuste sind „Haschen nach Wind“. Ein Bild, das vielsagend ist. Wind spürt man, er bewegt etwas. Nur fassen kann man ihn nicht. Er lässt sich nicht in die Faust sperren, nicht richtig begreifen.
Im Hebräischen steht für „Wind“ dasselbe Wort wie für „Geist“ und „Atem“. Es ist das Wort „Ruach“. Das ist einerseits der Geist, der uns geschenkt wird, der Atem Gottes. Und es gibt den unnötigen Wind, den wir oft selbst machen. Wind um nichts. Bis hinein in unser christliches und kirchliches Leben. Auch da wird viel Wind gemacht heute. Viele Worte, viel Betrieb, viele Sitzungen – und am Ende fragt man sich, was davon wirklich Geist hatte und was nur Luft war. Anders gefragt: Haben wir Christen noch eine Hand voll Ruhe bei unserem vielfältigen Tun? Oder sind wir eher Leute mit geballten Fäusten unter dem Tisch? Salomo rät zur Ruhe. Einfach so, einfach mal Abschalten und Pause machen. Sich Zeit nehmen zum Entspannen für Leib und Seele, die Fäuste vor Gott öffnen.
Salomos Rat sollten auch wir heute ernst nehmen: Besser eine Handvoll Ruhe als zwei geballte Fäuste, die nur noch Wind haschen voller Mühe. Doch was hat es mit dieser Ruhe-Hand auf sich? Es ist die Hand, die frei bleibt, sich an Gott und seine Zusage, seinen Trost, seine Verheißung zu klammern. Der Monatsspruch rät uns Christen, immer eine Hand offen zu halten für Jesus Christus und den Halt, die Kraft, den Segen, den er uns geben will. Eine Hand offen auch, um auf unsere Mitmenschen zuzugehen, mit ihnen so umzugehen, wie es die Bibel sagt.
Vielleicht ist dies eine gute Übung in diesem September: Eine Hand offenlassen, um zu erkennen, was Gottes Geist von mir will, um mich von ihm führen zu lassen. Nicht Haschen nach Wind, um im Nichts zu landen, sondern danach zu streben, was Segen bringt, für Dinge zu kämpfen, wofür es sich lohnt: heute und morgen – und für die Ewigkeit. Einsatz für Gott, für Jesus und sein Evangelium, zum Bekenntnis und Zeugnis des Glaubens.
Fazit: Mitten im Tagesgeschäft, mitten in aller Hetze braucht es Pausen der Besinnung, des Hörens auf Gottes Wort (Bibel), zum Abladen im Gebet bei ihm. Die „Handvoll Ruhe“ schenkt nur er. Der Monatsspruch für September lädt uns ein, aus dieser Ruhe zu leben und die innerlich geballten Fäuste mit Frust, Enttäuschung und Ärger zu öffnen – und an Gott im Gebet abzugeben. Im Vertrauen auf Jesus, durch Gottes Geist ist dies möglich. Mein Rat: Nicht zu viel Wind, Aufwand und Mühe machen für Nichtiges und Nebensächliches. Übrigens: Gott segnet betende Hände und öffnet sie für unsere Mitmenschen und Mitchristen, führt in die Ruhe und Entspannung. Nach den Sommerferien darf dies zu einem guten Start in September werden.
Martin Kugele
Pfarrer im aktiven Ruhestand in Bretten